Stadtteilladen Bremervörde

Präambel


Der Stadtteilladen BRV bietet Kindern Hilfestellungen, damit sie für ihre Probleme selbst Lösungen finden und diese mit Hilfe ihrer ureigenen Ressourcen umsetzen können. Die pädagogische Arbeit unterstützt den Entwicklungs- und Bildungsprozess der Kinder, um sie durch den Erwerb von sozialen Kompetenzen zu stärken und ihre Selbstständigkeit zu fördern. Durch ein partizipatorisches Arbeiten in der Einrichtung haben die Kinder die Möglichkeit, die Angebote mitzugestalten und werden so an soziales Engagement herangeführt. Dabei schaffen die pädagogischen Mitarbeiter der Einrichtung Freiräume, in denen sich die Kinder selbst verwirklichen und ausprobieren können.

Die pädagogische Arbeit des Stadtteilladens BRV trägt einen wichtigen Teil zur Lebensbewältigung junger Menschen in einer sich schnell verändernden Gesellschaft bei. Dabei wird der präventive Charakter von Kinder- und Jugendarbeit als Vorbereitung auf gesellschaftliches Zusammenleben immer wichtiger. Alle Kinder erhalten eine Unterstützung entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten, um sie mit lebenspraktischen Inhalten auszustatten. Im Stadtteilladen BRV lernen die Kinder an konkreten Beispielen z.B. Arbeitsabläufe zu erkennen und zu verstehen, Umwelterfahrungen zu sammeln, die eigene Leistungsfähigkeit einzuschätzen und gezielt einzusetzen sowie gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und zu nutzen.

Hauptzielgruppe des Stadtteilladens BRV sind Kinder zwischen 6 und 12 Jahren. Ein weiterführendes pädagogisches Angebot für Jugendliche beschränkt sich auf einzelne, zielgerichtete Veranstaltung, z.B. zum Themenbereich Bewerbung und Berufswahl. Eine darüber hinaus gehende Betreuung und Förderung von Jugendlichen ist in der stadteigenen Jugend- und Begegnungsstätte (JuBS) gewährleistet.

Neben der pädagogischen Arbeit mit den Kindern des Stadtteils ist ein zweites Aufgabenfeld die Beratung und Begleitung von Familien, sowie die Vermittlung von Fachberatungen in enger Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Akteuren sozialer Familienarbeit. Ziel der präventiven Familiensozialarbeit des Stadtteilladens BRV ist die Unterstützung von Familien in erzieherischen und lebenspraktischen Belangen. Familien sollen u.a. durch individuelle Beratungs- und Unterstützungsangebote befähigt werden, ihre eigene Lebensgestaltung sowie die Entwicklung ihrer Kinder eigenverantwortlich und selbstbestimmt wahrnehmen zu können.


Trägerschaft


Träger des Projektes „Kinder und Familien stärken – Gemeinwesenarbeit in einem Stadtteil von Bremervörde“ und somit auch des hieraus entstehenden Stadtteilladen BRV ist die Kirchengemeinde Auferstehung Bremervörde.



Lebensweltorientierung


Der Stadtteilladen BRV orientiert sich in seinen Angeboten und Arbeitsformen an den Wünschen und Problemen junger Menschen. Dies bedeutet für die Mitarbeiter, dass sie während ihrer täglichen Arbeit die unterschiedlichen lebensweltlichen Bezüge der Besucher berücksichtigen. Dabei achten sie darauf, mit Respekt gegenüber verschiedenen gruppen-, schicht- oder auch kulturspezifischen Verständnis- und Handlungsmustern zu agieren. Indem die Mitarbeiter den lebensweltlichen Erfahrungsraum der Adressaten verstehen lernen, erhalten sie die Möglichkeit, die Bedürfnisse dieser zu erkennen und sie in ihrer Alltagsbewältigung zu unterstützen.

Offenheit und Freiwilligkeit


Der täglichen Arbeit liegt der Ansatz der „offenen Jugendarbeit“ zugrunde. Dies bedeutet in Bezug auf den Stadtteilladen BRV, dass die Teilnahme an Angeboten niedrigschwellig, überwiegend kostenlos und auf freiwilliger Basis stattfindet. Die Besucher können die Räume und Möglichkeiten zu den geltenden Öffnungszeiten unverbindlich nutzen und entscheiden selbst, ob sie sich an bestimmten Aktionen beteiligen, auf Spielangebote der Mitarbeiter eingehen oder eine andere Beschäftigung auswählen. Hierbei werden sie vom pädagogischen Personal betreut und unterstützt. Der offene Treff weist durch seinen Namen schon auf die Rahmenbedingungen dieses Angebotes hin. Hier können die Besucher die Aufenthalts- und Beschäftigungsmöglichkeiten des Stadtteilladens BRV frei und unter Einhaltung der Hausordnung nutzen. Sowohl während des offenen Treffs als auch in regelmäßigen Angeboten wie z.B. Kreativwerkstatt ermöglicht der Charakter der Freiwilligkeit, dass motivierte und interessierte Kinder teilnehmen. Das pädagogische Personal steht den Besuchern betreuend und unterstützend zur Seite.


Beziehungsarbeit


Der auf Freiwilligkeit und Offenheit basierende Arbeitsansatz bietet den pädagogischen Fachkräften eine geeignete Basis, um ein ungezwungenes Verhältnis zu jedem einzelnen Besucher aufzubauen. Auf dieser Grundlage kann ein entsprechendes Vertrauensverhältnis aufgebaut und gepflegt werden. Ohne ein solches ist eine pädagogische Einwirkung nicht ausreichend möglich. Zur Wahrung des Vertrauens sollen die pädagogischen Fachkräfte hinsichtlich der Erziehungsinstanzen Eltern und Schule unparteiisch sein, zwischen den genannten Parteien bei Bedarf vermitteln und den betreffenden Kindern einen Schutz- und Rückzugsort anbieten.


Integration


Der Stadtteilladen BRV ist für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen geöffnet. Im Sinne einer gleichberechtigten Jugendarbeit besitzen alle Besucher die gleichen Rechte und Pflichten. So kann eine Integration aller und speziell solcher, die in anderen sozialen Geflechten als „Außenseiter“ betitelt werden, stattfinden. Die Mitarbeiter achten darauf, die Kinder und Jugendlichen im Umgang mit fremden, jungen, erwachsenen, andersartigen Personen und solchen mit Migrationshintergrund zu sensibilisieren und nehmen hierbei stets eine Vorbildfunktion ein. Die unterschiedlichen kulturellen Bräuche und Sitten werden, soweit sie vertretbar sind, zu gegebenen Anlässen thematisiert und innerhalb der pädagogischen Angebote beachtet und akzeptiert.


Mitbestimmung und Partizipation


Im Hinblick auf die bereits verdeutlichte Lebensweltorientierung besteht für alle Besucher jederzeit die Möglichkeit, Ideen und Veränderungsvorschläge zu Angeboten und Aktionen im Stadtteilladen BRV gegenüber dem hauptamtlichen Personal vorzubringen.  Mitbestimmung und Partizipation tragen im weiteren Sinne dazu bei, die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung eines jeden Besuchers zu fördern. Diese sollen angeleitet werden, sich der eigenen Bedürfnisse, aber auch Stärken und Schwächen bewusst zu werden, diese angemessen zu artikulieren bzw. Bereitschaft zur positiven Weiterentwicklung zu zeigen. Besonders die vorhandenen Potenziale sollen aufgegriffen und hinsichtlich der individuellen Lebenslagen thematisiert und gefördert werden



Akzeptanz und Gleichberechtigung


Für ein friedliches Miteinander im Stadtteilladen BRV und auch in weiteren sozialen Geflechten ist es von großer Bedeutung, dass die Besucher lernen, Meinungen und Einstellungen, Unterschiede in der Kultur, der Herkunft, des Glaubens, der Norm- und Wertvorstellungen anderer Personen zu akzeptieren und angemessen damit umzugehen. Die hauptamtlichen Mitarbeiter sind den Besuchern in diesem Denk- und Handlungsschema stets Vorbild und arbeiten mit ihnen daran. Außerdem besitzt jeder Besucher die gleichen Rechte und Pflichten während seines Aufenthalts im Stadtteilladen BRV. Um Einzelnen und Gruppen einen Raum zum freien Ausleben der alters- und geschlechtsspezifischen Bedürfnisse und Interessen zu geben, werden immer wieder daraufhin abgestimmte Angebote eingerichtet.


Prävention


Durch den Beratungs-, Informations- und Bildungscharakter des Stadtteilladens BRV ist präventives Arbeiten von großer Bedeutung. Im Bereich der Aufklärung werden regelmäßig Themen wie z.B. Sex, Sexualität und Verhütung, Rechtsextremismus, politische Themen, Drogen genauso wie kulturelle Verschiedenheiten angesprochen und altersgemäß behandelt. Innerhalb einer regelmäßig stattfindenden Kochgruppe finden Gespräche zur Zubereitung von Lebensmitteln und gesunder Ernährung statt, sowie zur Lebensmittel- und allgemeinen Hygiene.


Bildung


Im Stadtteilladen BRV ist keine gezielte Hausaufgaben- oder Schülerhilfe vorgesehen.  Für Fragen und Hilfe zu lehrstoffbezogenen Inhalten stehen jedoch alle pädagogischen Fachkräfte zur Verfügung. Darüber hinaus werden im Stadtteilladen BRV die örtlichen Voraussetzungen für eine selbständige Anfertigung der Hausaufgaben geschaffen. Zudem erhalten jugendliche Besucher während ihrer Arbeitsplatz- oder Ausbildungsplatzsuche ausreichend Unterstützung beim Bewerbungsschreiben und der Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche.


Die Pädagogische Arbeit des Stadtteilladens BRV


Die pädagogische Arbeit der Mitarbeiter des Stadtteilladens BRV orientiert sich wesentlich an den oben aufgeführten Leitlinien und Handlungsprinzipien. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen sowohl der sog. offene Betrieb und daraus entstehende wiederkehrende Angebote, als auch niedrigschwellige Beratungsangebote. Hierzu zählen insbesondere die psychosoziale Beratung, die allgemeine Sozialberatung, sowie Hilfestellungen zum Umgang mit Jugend- und Sozialamt.


Der offene Betrieb


Der offene Betrieb weist durch seinen Namen bereits auf die Rahmenbedingungen dieses Angebotes hin. Hier können die Besucher die Aufenthalts- und Beschäftigungsmöglichkeiten des Stadtteilladens BRV frei und unter Einhaltung der Hausordnung nutzen. Sie können sich mit Freunden treffen, sich unterhalten oder die angebotenen Spielmöglichkeiten, wie z. B .Brettspiele nutzen.  Insgesamt bietet der offene Betrieb durch seine gegebene Struktur den Kindern einen Rückzugsort vor Familie, Eltern und Schule und gibt ihnen die Möglichkeit sich mit Freunden und Gleichgesinnten in selbstorganisierter Form zu treffen. Dies ist wiederum eine Voraussetzung für eine in lockerer, ungezwungener Atmosphäre ablaufenden Beziehungsarbeit der Mitarbeiter. Durch den offenen Betrieb bildet sich schließlich ein fester Kreis von Kindern heraus, der Zielgruppe für weitere Angebote der Einrichtung werden kann.


Beratung


Die hauptamtlichen pädagogischen Mitarbeiter des Stadtteilladens BRV stehen Ratsuchenden zu oben genannten Themenbereichen beratend zur Seite. Des Weiteren vermitteln die Mitarbeiter bei Bedarf an weitere Beratungs- und Hilfsangebote der vor Ort ansässigen Akteure. Beratungen zu allgemeinen Fragen der Kindeserziehung sollen die Ratsuchenden befähigen, eigenständig tragfähige Entscheidungen hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder zu entwickeln und in ihr Leben zu integrieren.


Maßnahmen zur Qualitätssicherung


Zur Qualitätssicherung der Arbeit des pädagogischen Personals werden folgende Instrumente eingesetzt:


  • Mitarbeitergespräche

  • regelmäßige Teamsitzungen

  • Teilnahme an fachbezogenen Seminaren, Fachtagungen und Fortbildungen

  • Evaluation der einzelnen Angebote

  • fortlaufende Überarbeitung des pädagogischen Konzeptes und der Angebotsstruktur

  • Vernetzung aller im Quartier handelnden Akteure im „Bündnis für Kinder und Familien im Neuen Feld“

  • Mitarbeit im „Netzwerk Frühe Hilfen“ des LK Rotenburg/Wümme